Tambouren vs. Pfeifer: Klischee oder nicht?

Ein Streitgespräch.

Stimmen die Klischees über Tambouren und Pfeifer? Gibt es „Gräben“ zwischen ihnen? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir sechs Mitwirkende des diesjährigen Charivari zu einer Stammtischrunde eingeladen. In einer typischen Basler Fasnachtsbeiz diskutierten je drei Vertreter der Wältmaischter Drummelgrubbe und der Pfyffergrubbe Spitzbuebe miteinander.

Angestossen haben wir das Gespräch mit der Frage, was die Gruppen auszeichnet:


Pfeifer: Wir heissen Spitzbuebe, weil wir es auch sind!
P: Was zeichnet denn euch Wältmaischter aus?
Tambouren: Wir haben alle mindestens einmal die Gruppenkonkurrenz am „Offizielle“ gewonnen. Wir sind somit Weltmeister im Basler Gruppentrommeln!
P: Aha, nur in der Gruppe seid ihr stark. Alleine könnt ihr es nicht!
P: Ihr seid vielleicht Gewinner, wir sind Sieger. Sieger der Herzen!
T: Wir sind Weltmeister. Wer richtige Weltmeister sehen will, muss darum ans Charivari 2017 gehen. Unser Auftritt ist einmalig, das wird es nie mehr geben!
P: EINmalig ist das richtige Stichwort: wir bringen drei brillante Auftritte auf die Charivari Bühne, ihr nur einen.
T: Wir glänzen mit einem würdigen Auftritt, wir brauchen nicht drei Anläufe wir ihr.
P: Der Unterschied ist, dass wir dreimal auf die Bühne dürfen, weil wir eben so gut sind!
T: Speziell ist auch, dass bei uns verschiedene Generationen zusammen auf der Bühne stehen. Ich trommle hier mit Männern, die mir das Handwerk beigebracht haben.
T: Und ich stehe mit ehemaligen Konkurrenten gemeinsam auf der Bühne!
P: Bei uns muss man Pfeifen können, aber man muss auch „e geile Siech“ sein. Wir wollen es lustig haben.
P: Habt ihr eigentlich schon geprobt?
T: Proben wird doch überbewertet.
P: Für mich tönt das eher nach einer Grümpeli-Mannschaft, nicht nach Weltmeistern.
T: Und ihr, wie viele Proben habt ihr schon hinter euch?
P: Zu viele!
T: Ihr habt es auch nötig!
P: Wir proben tatsächlich schon lange. So verbringen wir wertvolle Zeit mit Pfeifer-Freunden und es wird uns definitiv nicht langweilig.
P: Und wer gute Musik präsentieren will, muss üben, „böbberle“ kann jeder.
T: Apropos „böbberle“: Pfeifen lernt man in 1.5 Jahren. Um die Trommelkunst zu erlernen, braucht es sicher 3 Jahre. Dies sagt eigentlich schon alles über die Schwierigkeit der beiden Instrumente aus.
P: Ich fand früher beide Instrumente toll, aber so einen „Kübel“ herumschleppen geht ja gar nicht. Kommt dazu, dass ich als Pfeifer bei einem Halt erst noch schneller in der Beiz bin.
P: Euer Instrument wird sowieso nur als Larvenablage vor der Beiz benötigt.
T: Aber Trommeln ist männlich und darum stehen die Frauen auf uns. Oder gibt es Pfeifer-Groupies?
P: Nur fürs Protokoll: Der Tambour hat soeben ein sehr männliches Panaché bestellt.
P: Ok, wir testen die Attraktivität der Instrumente und lassen um 4 Uhr morgens im Schiefen Eck die Jukebox laufen. Du trommelst etwas dazu und ich pfeife. Mal sehen was besser ankommt.
T: 4 Uhr morgens Schiefen Eck? Sorry, nicht meine Zielgruppe!
T: Gibt es denn Pfeifergruppen, die im grossen Stil für Furore sorgen?
P: Ja, wir!
P: Aber wir können nicht mit brennenden Piccoli auf die Bühne so wie das z.B. die Top Secret mit ihren Schlegeln machen.
T: Das müsst ihr ja auch nicht. Aber will man an der Fasnacht mit ein paar Pfeifern schon nur eine Runde drehen, entstehen bereits die ersten Diskussionen betreffend Marschwahl. Einer pfeift nur erste Stimme, der andere nur die dritte und die zweite Stimme fehlt. Schon ist die Gruppe nicht spielfähig.
P: G-Märsche (Gluggsi, Glopfgaischt, etc.) lösen bei euch ja auch Probleme aus.
T: Wie viele Buchstaben hat das Alphabet? 26! Und nur einer davon stellt für die Tambouren ein Problem dar…
T: Ausserdem ist es primär eine Frage der unterschiedlichen Cliquenfassungen und nicht ein Tambourenproblem generell!
P: Doch. Wenn ihr nämlich ein wenig flexibel wärt, könntet ihr das mühelos meistern.
T: Also ich kann jeden Marsch mittrommeln – wenn ich alleine bin!
P: Aber die Vorteile der Tambouren haben wir jetzt immer noch nicht geklärt!
T: Das Problem ist doch ein anderes: Ihr seid gar keine typischen Pfeifer. Ihr seid eigentlich Tambouren, die das falsche Instrument gelernt haben.
P: Was ist denn ein typischer Pfeifer?
T: Ein typischer Pfeifer trägt Ammediisli und hat trotzdem immer kalt!
P: Apropos typisch: Hast du schon einmal einen Tambour lachen gesehen? So lustig kann das Trommeln gar nicht sein.
T: Sprüche hin- oder her. Jungs, wenn wir ehrlich sind, ist die Diskrepanz zwischen Trommlern und Pfeifern gar nicht mehr so gross.
P: Aber trotzdem macht es grossen Spass sich manchmal hoch zu nehmen und Sprüche zu machen. Intrigieren gehört schliesslich zur Basler Fasnacht.


Anmerkung der Redaktion: Die Pfeifer verliessen als letzte die Beiz.

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